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Freitag, 23. Juli 2010

Photographen in Gefahr I

Willkommen zum ersten Teil der Reihe "Photographen in Gefahr". Heute:

Warnung: Der folgende Beitrag kann Spuren von Erdnüssen, Gluten und Ironie enthalten. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig und in keinster Weise beabsichtigt.

Der "Auch-Photograph"



Besonders Reportagephotographen, aber auch Hochzeits-, Industrie- und sogar Studiophotographen sind von dieser Spezies bedroht, eigentlich jeder Photograph, der mit Menschen zu tun hat.

Der "Auch-Photograph" (im weiteren kurz "AP" ist meist zwischen 40 und 60 Jahren alt, weiß, männlich, Angehöriger der oberen Mittelschicht, trägt gerne dezent karierte Hemden und eine ordentliche Bierplauze. Und vor allem: Er "photographiert auch". Damit meint er, daß er auch eine teure Spiegelreflexkamera besitzt, das Interesse aber eher der Technik gilt als wirklich den Bildern, die damit möglich sind - das interessiert nur im technischen Rahmen ("Boah, rauschfreie 10Fantastilliarden Iso!"). Da man selbst berufsbedingt grade mit einem großen schwarzen Knipskasten rumrennt, meint der "AP" einen Gleichgesinnten in einem erkannt zu haben. Typischer Gesprächseinstieg eines "AP" ist einer der folgenden Sätze:
"Ach, ich photographiere auch mit $KAMERAMARKE."
"Ich hatte mal ne $KAMERAMARKE_1, photographiere aber jetzt mit $KAMERAMARKE_2."
"Wie sind Sie zufrieden mit der $KAMERA/dem $OBJEKIV?"

Selbst wenn man mit seiner Nikon hochzufrieden ist, bei Canon aber das 85/1,2 geil findet oder bei Olympus die telezentrischen Weitwinkelobjektive, wäre der größte Fehler, wirklich darauf einzusteigen, dann wird man den "AP" nicht mehr los. Abwimmeln ist angesagt, am Besten mit Allgemeinplätzen wie "Ach, Hauptsache das Werkzeug macht, was es soll" oder "Nicht die Technik macht das Bild". Aber Vorsicht: Hat der "AP" seinen Feininger gelesen, wird er nun anfangen, mechanische Kameras und analoge Photographie zu loben und versuchen, einen in ein Gespräch darüber zu verwickeln.

Was kann man also tun, um den Kontakt mit "AP"s zu vermeiden oder sie zumindest schnell wieder loszuwerden? Gar nichts. Außer nur noch Plümchen und Tabletop zu photographieren.

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Eingestellt von Erik Am/um

4 Kommentare:

Blogger mawa meinte...

Der AP, dort intern "Kamera-Opa" genannt, konstituiert übrigens die Hauptzielgruppe der Fotografiebücher, die in dem Verlag erscheinen, wo meine Schwester arbeitet :)

23. Juli 2010 um 18:10  
Anonymous Kyo meinte...

OMG und ich dachte ich wäre alleine auf der welt!!

Am schlimmsten sind sie noch schlimmer als bei der reportage ist der nach feierabend lauter tchnick um die ohren hauer AP *lol*

ABer Erik du sprichst mir aus der seele :)

17. August 2010 um 23:04  
Anonymous Anonym meinte...

Bin hier durch Zufall drüber gestolpert. Ich zähle in Euren Augen wahrscheinlich zu den Kamera-Opas mit 45. Habe aber mein lebenlang immer wieder phasenweise intensiver fotografiert. Es gibt Kollegen (in meinem richtigen Job), die vor lauter Reklamieren von gekauftem Material gar nicht mehr zum fotografieren kommen. Jede Woche taucht ein neues Objektiv auf oder wird verkauft. Da kann ich Euer Schmunzeln verstehen. Aber ich bin auch bei vielen Profis enttäuscht, was sich in deren Schaufenstern an gruseligen Hochzeitsfotos tummelt oder wie glatt gepinselt manches Bild im Internet ist. Das habe ich aber beim Selbstdarsteller nicht gefunden.

Achso... ich benutze keine der beiden großen Marken. Zurückblickend fotografiere ich das meiste mit einem 50mm Objektiv ... was soll ich da eine Technikschlacht anfangen. Na ja halt nicht auf Vollformat und nicht analog.

Gruß anonym aus Wiesbaden

7. Juni 2012 um 14:02  
Anonymous Anonym meinte...

Ich habe noch einen weiteren interessanten Aspekt zu den Auch-Fotografen. Sie finanzieren die Entwicklung der Technik. Davon profitieren sicher auch die Profis. Von den paar Profis könnte die Industrie nicht leben.

Das ist übrigens nicht nur beim Fotografieren so. Bestes weiteres Beispiel ist die Musiksoft- und hardware.

Nochmal Gruß anonym aus wiesbaden

14. Juni 2012 um 08:02  

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